Ausblick.

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Ernst Hinkel, Ulm (ca. 1913)
Zwei Spiele nur, aber mit einem vollen, kräftigen Klang und vielen Schattierungsmöglichkeiten, sind die musikalische Ausstattung dieses schönen Instruments.

Die üblichen Wehwehchen (Balgundichtigkeiten, mechanischer Verschleiß) waren schnell behoben, aber auch das Gehäuse brauchte seine Aufmerksamkeit:

Stabilisierung vom Holzwurm angegriffener Teile waren das Eine – die Aufarbeitung der aufwendig gestalteten Kupfer-Reliefs das Andere. Nun zeigt sich der Flöte spielende Gott Pan im Notenständer wieder in wahrhaft "glänzender" Verfassung...

Hofberg-Orgel (1918)
Nach Abschluß der aufwendigen Generalüberholung wieder ein Instrument mit inneren und äußeren Werten: ein voller, weicher Klang strömt aus einem ansprechenden Gehäuse mit vielen geschnitzten Verzierungen.

Gleich mehrere Undichtigkeiten hatten das Spielen erschwert – poröse Blasebälge und Dichtungen, vor allem aber ein zur Badewanne verzogenes Fundamentbrett, auf dem die Windlade nicht mehr plan aufliegen konnte, ließen überall unerwünschte Luft nachströmen.

Natürlich wurden nicht nur diese Mängel behoben, sondern auch alle verschlissenen Filze und Lederteile ersetzt, Zungen und Kanzellen gereinigt, Achsen und Wellen von Grand Jeu und Forteklappen gängig gemacht und vieles mehr.

Wieder ein gutes Beispiel, wie sehr es sich lohnt, einem alten Harmonium wieder zu voller Schönheit zu verhelfen...

Brüning & Bongardt, Barmen
Kleine Wartungsarbeiten vor der Wallfahrt zur Servatiuskapelle auf dem Aegidienberg am letzten Sonntag:
Durch lockeren Sitz in mangelhaften Stimmstockfilzen schnarrende Zungen, Austausch von defekten Zungen im 4'-Register, Legen einer schönen Schwebung für die bis dahin matte Vox celeste, kleine mechanische Justierungen – dafür mußte ich leider Hunderte von Marienkäfern aus dem Instrument verscheuchen, die sich in noch winterlicher Kältestarre dort verkrochen hatten.
Ein schönes, dreieinhalbspieliges Harmonium, gebaut vermutlich von Hildebrandt und nur von Brüning & Bongardt gelabelt (sie waren ja Anteilseigner), mit der wirklich gut ausgetüftelten Ein-Finger-Begleitautomatik.
Jawohl – das ist keine Erfindung elektronischer Keyboards, sondern hier eine feine mechanische Konstruktion!
Max Horn, Zwickau (ca. 1927)
Dieses Instrument aus Familienbesitz ist vom harmoniumbegeisterten Großvater offensichtlich umgebaut worden: Er wünschte sich wohl eine zusätzliche Bass- und Diskantkoppel, was zwar von der Balggröße her an die Grenzen der Luftversorgung stieß und bei einem Instrument von vier Oktaven Manualumfang auch musikalisch nicht sehr nutzbringend ist.
Aber er hat es handwerklich recht geschickt gelöst.
An der ehemaligen Position der Fortezüge, die er in eine neue Reihe verlegt hat, sitzen jetzt die Koppelzüge. Eine mechanische Verbindung, um die Forteklappen wirklich bedienen zu können, fehlte allerdings. So hat es mir nun im Rahmen der Generalüberholung den größten Spaß bereitet, eine Wellenkonstruktion bzw. eine Winkelverbindung einzubauen und damit die Funktion herzustellen.
Barnett, Samuel & Son, London (ca. 1880)
Mal ein paar Details aus der täglichen, aber abwechslungsreichen Arbeit am Beispiel eines einspieligen Druckwindharmoniums aus England.
Das kleine Bild rechts zeigt die Anfertigung einer Dichtungswulst aus Hanfseilen und einem Lederstreifen, der darum herum genäht wird. Auf dem schmalen Bild unten sieht man, wie diese dann die beiden Kammern von Baß- und Diskantseite einfaßt.
Ebenfalls gut zu erkennen sind die beiden großen, mit Federn gespannten Registerklappen, die Halteösen für die Verschlußhebel der Spielanlage und die drei durch Lederläppchen geführten Stecher für die Registermechanik.
Im Detailbild rechts ein neu gebauter Wippfeder-Tremulant: Der kleine, bewegliche Balg mit bleibeschwertem Deckelchen wird von unten durch den Spielwind aufgeblasen. Ab einem bestimmten Überdruck öffnet das Deckelchen, läßt einen Luftstoß aus und fällt dadurch wieder zusammen. Weil sich dieser Vorgang periodisch wiederholt, entsteht so ein in der Lautstärke schwankender Ton – ein sogenanntes Tremolo.
Merklin & Schutze, Bruxelles (vor 1853)
Es geht noch älter: Nach dem Alexandre von 1859 ist dieses Vierspiel seines Schülers Merklin mit großer Wahrscheinlichkeit auf vor 1853 datierbar, weil es noch den alten Firmennamen trägt, der in diesem Jahr wechselte. Mit Sicherheit wurde es aber vor 1855 gebaut, weil sonst neben der Medaille von 1847 auf dem Fimenschild der 1855 gewonnene erste Preis bei der Weltaustellung in Paris als bester Werbeträger ebenfalls darauf abgebildet gewesen wäre.
Beste Werbung war allerdings nicht die Arbeit des angeblichen Profis, der sich schon an diesem Instrument zu schaffen gemacht hat. Die neu gebauten Schöpfbälge sind eine Fehlkonstruktion; sie haben keine starren Balgfalten aus Holz und Lederverbindungen, sondern einen abenteuerlichen Gummituchbezug. Die Luftversorgung macht also ein bißchen den Eindruck eines Frosches, der seine Backen aufbläst. Für ein Spiel ohne Expression ist das noch hinnehmbar, aber mit gibt es einfach kein kontrollierbares Spielgefühl.

Zudem sind die Balgplatten mit dicken Metallscharnieren verbunden worden, wodurch sich die Gesamtposition der Balganlage so verändert hat, daß die Abschottungen der Windkammern permanemt Registerklappen betätigten, die damit nicht mehr abstellbar waren.
Die viele Arbeit – Reparaturen, Korrekturen der Registertraktur, Reinigung der gesamten Spielanlage, Neubelederung aller Registerklappen, Überholung der Tastenventile etc. – wird nun aber mit einem kräftigen Klangbild belohnt. Und irgendwann bekommt auch das Gehäuse noch seinen Putz: immerhin hat das Instrument nun wieder einen Schalldeckel mit Notenständer...
Bongardt & Herfurth, Wiehe (ca. 1970)
... und zwischendurch mal wieder ein modernes.
Ich persönlich bin ja weder ein Freund von Plastik-Registerwippen noch einer überwiegend auf 8'-Register beschränkten Disposition, aber jede Epoche des Harmoniumbaus hat so ihre eigenen Entwicklungen hervorgebracht. In diesem Sinne ein zeittypisches Kulturgut – wie ein Nierentisch oder die Tütenlampen der 1950er Jahre.
Nach Innenreinigung ein paar Kleinigkeiten in der Mechanik justieren, stumme Zungen wiederbeleben, dem Gehäuse neuen Glanz gönnen und die Stoffbespannungen erneuern, das war's in diesem Fall.
Estey, Brattleboro, Vermont /USA (1898)
Kommt Ihnen das bekannt vor?
Richtig! Zwei Instrumente dieser Bauart habe ich schon restauriert, und wie Sie auf der Seite "Anblick" ziemlich weit unten sehen können, haben beide sehr schnell einen Liebhaber gefunden. Offensichtlich waren es vor nun fast schon 120 Jahren beliebte Exportschlager – bei der Klangschönheit, der hübschen Optik und der wartungsarmen Konstruktion sicher nicht ohne Grund.
Dieses Harmonium – mit der Seriennummer 298.246 und auf den 20. Juli 1898 datiert – hat wieder einmal die größere Disposition, neben einem durchlaufenden 8' und 4', der Vox coelestis im Diskant und der Subbaß-Oktave auch die zusätzlichen 2'-Register Cornettino und Aeolsharfe im Baß und den 16' Bourdon im Diskant.
Und auch hier gibt es wieder einiges zu tun, nicht nur Schönheitsreparaturen (das defekte Schallgitter muß rekonstruiert werden), sondern auch die typische Atemnot und einige kleinere mechanische Schäden müssen behoben werden.
Aber ich weiß ja schon, daß es sich lohnt...
Alexandre et Fils, Paris (1859)
Ein schönes, klassisches Vierspiel aus bestem Hause, zugleich das nachgewiesen älteste Instrument, das bisher in meiner Werkstatt war: "28. Fevrier 1859" steht handschriftlich vermerkt in der Windlade des Instruments mit der Seriennummer 18737.
Einige Undichtigkeiten in der Luftversorgung wurden behoben, schnarrende Zungen korrigiert und die bis dato fürchterlich quietschende Registermechanik komplett überholt.
Viel Aufwand habe ich aber auch in die Aufarbeitung des Gehäuses gesteckt: fehlende Zierleisten kopiert, verwurmte Gehäuseteile ausgetauscht, Tretschemel und Wippen überholt, die fehlende Frontklappe ergänzt, Bespannstoffe erneuert und schließlich eine neue, mehrschichtige Schellack-Lasur aufgebaut.
Mini-Balganlage
Manchmal gibt es ganz besondere Aufträge:
Für einen Profimusiker, der ein einer Melodica ähnliches Blasinstrument mittels Blasebalg spielen möchte, habe ich diese kleine Balganlage konstruiert.
Der mit Teppich bezogene Tretschemel ist zugleich der Schöpfbalg, der durch Federkraft zurückgestellt wird. Der Magazinbalg links daneben kann durch einen Stopper arretiert werden, so daß man wahlweise mit konstantem Luftdruck oder mit Expression spielen kann.
Witzig, aber es funktioniert großartig!
W. Bell, Guelph, Ontario (1900)
In diesem klangschönen Instrument aus Kanada fand sich auch eine Datierung auf dem Tastaturrahmen. Die Bilder links zeigen einmal den Unterschied zwischen alt und neu, auf den anderen sieht man die Balganlage mit den patentierten, mäusesicheren Tretschemeln, die neu beflügelte Vox humana und Details der mit neuem Filz belegten Mutzenklappenhebel. Nicht zu sehen ist der noch nicht montierte, imposante Aufsatz mit gedrechselten Säulen und aufwendigen Schnitzereien.
Balthasar – Florence, Namur (ca. 1885)
Ist das nicht ein Prachtexemplar geworden? Nachdem die Schöpfbälge komplett überholt sind, deren sämtliche Ledernähte aufgerissen waren (das nebenstehende Photo enstand während der Arbeiten), kann man aus den fünf Spielen im Baß und den sieben im Diskant wieder die gesamte Klangfülle herausholen. Dazu wurde auch die Percussion feinfühlig justiert.
Für das Prolongement und das Grand Jeu gibt es eine Hackenauslösung; zusätzlich eine Transponiereinrichtung, bei der man durch Verschieben der Tastatur in einem Bereich von einer Oktave die Tonart wechseln kann. Die Transponierskala vor dem hinter Glas liegenden, kreisrunden Firmenschild zeigt das Bild rechts.
Für ein besseres Handling hat das imposante Gehäuse aus Wurzelholzfurnier Schwerlastrollen erhalten.
Joh. P. Andresen
Ringkjøbing (1910)
Zur Generalüberholung dieses Instruments bin ich mit meiner Werkstatt für ein paar Tage in die berühmte "graue Stadt am Meer" umgezogen – eine schöne Erfahrung, einmal ein Harmonium an seinem Heimatort versorgen zu können.
Und besonders glücklich ist man ja, wenn man überraschende Entdeckungen macht: Hier fand sich ein verloren geglaubtes Registerschildchen mit der original dänischen Beschriftung "Diskant Kobler" in einer Falte des Rückwand-Bespannstoffes wieder, und der Harmoniumbauer war so nett, sich gleich zweimal mit Namenskürzel und Datum im Instrument zu verewigen: 15. und 25. Juni 1910.
Jetzt spielt alles wieder bestens, nachdem die Bälge neu bezogen und die Abnutzungen in der Mechanik beseitigt sind.
Magnus Hofberg, Leipzig (ca. 1902)
Mal ehrlich: Könnten Sie es ertragen, wenn so ein Instrument auf dem Sperrmüll landet? Hab's gerade noch gerettet!
Neunzehn Register aus fünf und drei halben Spielen in einem imposanten Gehäuse der Jahrhundertwende – das wäre nicht nur musikalisch, sondern auch kulturhistorisch ein unwiederbringlicher Verlust.
Natürlich ist da noch viel dran zu tun, denn einige Gehäuseteile sind schon verloren gegangen, und Bälge und Mechanik müssen überholt werden.
Bis es wieder den für Hofberg typischen, warmen Klang verströmen kann, wird wohl noch etwas Zeit vergehen...
Theodor Mannborg, Leipzig (ca. 1897)
Aus den frühen Firmenjahren des renommierten Herstellers stammt dieses mit Seriennummer 2142 gekennzeichnete, kompakte, einspielige Harmonium. Es wurde noch von den Gebrüdern Hug vertrieben, die Mannborg zu Beginn seiner Tätigkeit in der Vermarktung unterstützten.
Dank der tatkräftigen und handwerklich geschickten Mitarbeit der Besitzerin ist es wieder wunderschön geworden – nicht zuletzt durch die Bespannstoffe aus dunkelroter Wildseide. Da spürt man das künstlerische Empfinden und die feinsinnige Ästhetik; schließlich gehört es einer Malerin...
Wilhelm Emmer, Magdeburg
(Hersteller: Hermann Burger, Bayreuth, um 1880)
Aus dem Dornröschenschlaf geweckt:
Ein "klassisches Vierspiel" Druckwindharmonium, das im wesentlichen nur an in den Balgfalten gerissenen Schöpfbälgen krankte.
Aufwendige Schnitzereien verzieren das aufgearbeitete Gehäuse - optisch und klanglich nun wieder ein Traum...
Physharmonika, Trayser
So ungewöhnlichen Besuch hat man nicht oft: Eine Physharmonika – eine besondere, frühe Form des einspieligen Druckwindharmoniums – kam windstößig in die Werkstatt. Der Grund für diesen Mangel lag in nicht vollständig schließenden Schöpfbalg-Ventilen. Die Belederung, auch der Balgfalten, war sehr hart geworden. Mit geschmeidigem Leder sieht das wieder ganz anders aus – pardon – hört sich das wieder ganz anders an...
Steinmeyer, Öttingen (1925)
Als Mauerblümchen kam es in die Werkstatt, als imposantes Hochglanz-Schmuckstück hat dieses Instrument des Fabrikats Steinmeyer sie wieder verlassen.

Sein mächtiger Korpus beinhaltet zwar ein nur zweispieliges Instrument, aber mit einer Oboenstimme, die ihren Klangcharakter durch eine zweite Registerklappe über Bohrungen an der Zungenspitze in den Tonkanzellen erhält, hat es neben dem 8' und der Schwebung im Diskant eine wunderschöne Soloklangfarbe zur Verfügung. Den Baß ergänzt eine 4' Viola / Viola dolce.
M. Hörügel, Leipzig (ca. 1920)
D.W. Karn, Woodstock / Ontario (ca. 1895)
Natürlich macht ein Harmonium-Doktor auch Hausbesuche.
Hier mußten gleich zwei Patienten ambulant versorgt werden: Ihre stummen Zungen klingen nun wieder, kleinere mechanische Mängel wurden behoben – nur die Lungenkrankheit des großen Hörügel "Gloriosa" (mit 32' Musette im Diskant!) bedarf noch einer stationären Behandlung...
Harmonium-Bänke
... und plötzlich wollten alle eine Bank haben!
Also mal ein paar Tage lang nur Sitzmöbel planen und bauen. Herausgekommen ist dabei ein individualisierbares Standardmodell: Gleiche Konstruktion, aber in der Ornamentik dem zugehörigen Instrument nachempfunden.
Von links nach rechts in Mahagoni für ein Estey, in Nußbaum dunkel für ein Hofberg, in Nußbaum mittel für ein Packard und in dunkler Eiche passend zu einem Mannborg. Letztere ist deutlich höher, ergonomisch an die Körpergröße des Spielers angepaßt.
Wetzel & Sohn, Hamburg (vor 1930)
Wie das unten beschriebene Balthasar-Florence ist dies ein äußerst kompaktes und gut transportables Kleinharmonium – nach Aussage seiner Besitzerin bei den Urgroßeltern als Picknick-Begleiter beliebt.
Auffällig sind die sehr kurzen Obertasten (nur 42 mm statt der üblichen 85 mm), das macht Tonarten mit vielen Vorzeichen etwas schwierig spielbar. Auch hier liegen die Schöpfbälge auf der Rückseite, wodurch die gesamte Bautiefe nur 29 cm beträgt.
Sogar die Akkord-Automatik (jawohl, das ist keine neuzeitliche Erfindung von Keyboardherstellern!) ist wieder benutzbar, nachdem die Bedientasten mit neuen Gewindestiften und Bronzefedern versehen wurden. Fünf Knöpfe sind leider verloren gegangen – Holzknöpfe dienen erst einmal als Ersatz, bis die passenden gefunden worden sind.
Balthasar–Florence, Namur (vor 1925)
Eine lohnenswerte Restaurierung:
ein belgisches Saugwindharmonium in kompaktester Bauform durch hinten liegende Schöpfbälge. Solche pfiffigen Konstruktionen begeistern mich immer wieder. Neue Balgbezüge, neue Filze und Ledergarnierungen und die Aufarbeitung des Gehäuses machen daraus wieder einen kleinen Schatz. Eine Hörprobe gibt es hier.
Auch das gehört dazu: Die Sitzbank passend zum Instrument.
Hier sind die seitlichen Verzierungen im massiven Eichenholz den Schallauslaß-Öffnungen des Brüning & Bongardt-Harmoniums nachgebildet, das am 10. April 2011 in der Autobahnkapelle Heseper Moor an der A31 festlich eingeweiht wurde (siehe weiter unten).
Ab Ostern stimmt nun für den Spieler auch die Ergonomie. Ein Stuhl mit mehreren Kissen drauf ist einfach nicht das Wahre...
Theodor Mannborg, Leipzig (um 1903)
Das bleibt jetzt aber mal in der Familie, wenn auch nicht im Lande. Nach seiner gründlichen Aufarbeitung geht dieses kompakte, zweispielige Harmonium für die "kleine Hausmusik" zu meiner Schwester in die Nähe von Cambridge nach England...
Dieses Instrument in einem Gehäuse, das an den Möbelbau der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts erinnert, ist recht scharf intoniert und folgt denn auch epochenbedingt in seiner klanglichen Disposition dem neo-barocken Orgelideal.
So gibt es – neben den von der Orgel entlehnten typischen Registernamen (wie Rohrflöte 8' oder Fugara 4') – im Diskant eine echte Quinte 2 2/3'. Leider funktioniert das auf dem Harmonium nicht ganz so gut, weil sie als Zungenstimme einfach nicht aliquotenhaft mit den Grundstimmen verschmelzen will.
Neben dem Neubezug der Blasebälge waren einige Dinge aufzuarbeiten, und dummerweise hatte jemand die Leitstifte der Tasten gefettet, so daß diese nach dem Drücken in den verharzten Fettresten einfach unten blieben...
Brüning & Bongardt
Auch das kleinste Gotteshaus braucht ein Musikinstrument.

So steht nun dieses zweispielige Harmonium nach gründlicher Überarbeitung ( Blasebälge neu betucht, Mechanik überholt, Stimmstock repariert, Gehäuse aufgearbeitet) als Stiftung meiner Werkstatt in der Autobahnkapelle Heseper Moor an der A31 zwischen Twist und Geeste.

Magnus Hofberg, Leipzig (um 1928)
Fertig für die Kölsche Weihnacht:

Ein dreieinhalbspieliges Saugwindinstrument aus dem Hause Magnus Hofberg, jetzt wieder ohne Atemnot (neue Balgbezüge) und in voller Klangschönheit aus fein abgestuften 8'-Registern.

Vom 19. November an bis Weihnachten im täglichen Konzerteinsatz. Hören Sie es sich live an!

Theodor Mannborg, Leipzig (um 1913)
Nach der Überholung in der Werkstatt jetzt wieder in Buxtehude:
Eine Rarität im Saugwindharmonium-Bau, denn eine Expression (Schaltung über den mittleren, dritten Kniehebel) und ein Prolongement für die tiefste Oktave waren bei diesem Typ Harmonium seltene Ausnahmen.
Fr. Henkel, Paris et Hambourg
Endlich: Danach habe ich eine ganze Weile gesucht – ein klassisches französisches Vierspiel (eigentlich sogar viereinhalb) mit Percussion.

Das Firmenschild sagt zwar Fr. Henkel, jedoch war der nur Importeur und kein Hersteller. Viele Indizien weisen auf die Firma 'Alexandre et fils' hin: Die Gehäuseform bis hin zu Details bei den Schnitzereien, die Beschriftung der Registerzüge, die technischen Details in der mechanischen Konstruktion.

Vielleicht finden sich konkrete Hinweise bei der Restaurierung, nach der dieses Druckwind-Harmonium sowohl für eigene Konzerte als auch als Mietinstrument genutzt werden soll.

Liebig, Zeitz (um 1926)
Eine wirklich gute Idee eines Heimatmuseums:

Warum soll ein Harmonium nur etwas zum Anschauen sein? Viel schöner ist es doch, wenn man es spielend vorführen kann!

Seit Kurzem steht das Instrument nach seiner Generalüberholung nun wieder an seinem Platz im Museum. Am Sonntag, dem 3. April 2011, wurde es um 17 Uhr in einer eigenen Präsentation im Bürgersaal der Öffentlichkeit vorgeführt. Ob es seinen endgültigen Platz im Trauzimmer des Standesamtes finden und bei weiteren Veranstaltungen erklingen wird, ist noch offen...

Komplettrestaurierung und Rekonstruktion eines zweimanualigen Pedalharmoniums Fabrikat Hörügel
Ein ganz besonderer Schatz: Ein siebenspieliges Harmonium, das leider sehr unfachmännisch mit einem elektrischen Gebläse nachgerüstet worden ist. Mein Ziel ist es, den Originalzustand zu rekonstruieren (die Schöpfbälge existieren z.B. nicht mehr, und zahlreiche Indizien weisen darauf hin, daß ursprünglich eine Handschöpfanlage vorhanden war).
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